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„Ich bin dann mal weg – Pilgern wie Gott in Frankreich“

vor 6 Tagen
3 Min. Lesezeit

14 Kolleginnen und Kollegen unterwegs mit der Polizeiseelsorge auf dem Jakobsweg im Burgund



„Ich bin dann mal weg“ – so lautet der Titel des bekannten Buches von Hape Kerkeling, in dem er von seiner Pilgerreise nach Santiago de Compostela erzählt. Der Titel spricht viele Menschen unmittelbar an. Denn in ihm steckt eine Sehnsucht, die wohl viele kennen: einmal aus dem Hamsterrad der beruflichen Anforderungen aussteigen, Abstand gewinnen von den Sorgen und Belastungen des Alltags und für eine Weile dem ständigen Getriebensein unserer Gesellschaft entkommen.


„Ich bin dann mal weg – Pilgern wie Gott in Frankreich“ – unter diesem Motto machten sich Ende September 2026 unter der Leitung der beiden Polizeiseelsorgenden Dorothea Jüngst und Matthias Zöller 14 Kolleginnen und Kollegen aus ganz Bayern auf den Weg. Ihr Ziel: ein Abschnitt des Jakobswegs in Frankreich, mitten durch die reizvolle Landschaft des Burgunds.

Sechs Etappen, rund 110 Kilometer und mehr als 1.400 Höhenmeter lagen vor der Gruppe. Der Weg führte durch eine eindrucksvolle Kulturlandschaft zwischen Dijon und Cluny: vorbei an weltberühmten Weinlagen, durch malerische Dörfer, beeindruckende Höhenzüge und historische Orte wie Nuits-Saint-Georges, Beaune, Meursault oder Cluny. Es gab viel zu sehen und zu entdecken – und zugleich genügend Gelegenheit, den Blick auch einmal nach innen zu richten.


Vom Wachsen und Ernten

Die Pilgertour stand unter dem Leitgedanken „Vom Wachsen und Ernten“. Die Weinberge des Burgunds boten dafür eine passende Kulisse. Reben brauchen Zeit, um zu wachsen und Früchte zu tragen. Auch im eigenen Leben lässt sich nicht alles beschleunigen oder erzwingen.

Tägliche spirituelle Impulse durch die beiden Polizeiseelsorgenden und Zeiten der Stille luden dazu ein, über das eigene Leben nachzudenken: Was ist in mir gut gewachsen? Was gehört zu meinem Leben und macht es wertvoll? Wofür bin ich dankbar? Was durfte ich bereits ernten? Und was möchte ich von dem, was mir geschenkt wurde, an andere weitergeben?

Dabei ging es nicht um fertige Antworten oder große Lebensbilanzen. Vielmehr war Raum, eigene Erfahrungen wahrzunehmen, manches neu zu betrachten und Gedanken entstehen zu lassen, für die im Alltag oft wenig Zeit bleibt.

Begegnungen, die in Erinnerung bleiben

Ein besonderer Höhepunkt war der Besuch in Taizé, dem Ort der ökumenischen Gemeinschaft der Brüder von Taizé. Woche für Woche kommen dort Jugendliche aus vielen Ländern zusammen, um einander zu begegnen, sich auszutauschen und ihren Glauben zu vertiefen.

Die Gruppe durfte am eindrucksvollen Mittagsgebet der Brüder teilnehmen und anschließend mit vielen anderen Jugendlichen zu Mittag essen. Die schlichte Atmosphäre des Gebets, die Gesänge und die Begegnung mit diesem besonderen Ort bildeten einen Kontrast zum sonst oft hektischen Alltag – und zugleich eine Erfahrung von Gemeinschaft über unterschiedliche Konfessionen und Lebenswege hinweg.

Doch nicht nur die großen Stationen machten die Reise aus. Es waren ebenso die Gespräche unterwegs, das gemeinsame Essen, das Lachen, die wechselnden Landschaften und die kleinen Momente am Wegesrand. Und natürlich gehörte auch dazu, die eigenen Grenzen wahrzunehmen: wenn die Beine müde wurden, der Rucksack schwerer schien oder der nächste Anstieg noch einmal Kraft kostete. Pilgern bedeutet eben nicht nur, schöne Orte zu sehen. Es bedeutet auch, sich auf den Weg einzulassen – Schritt für Schritt, im eigenen Tempo und miteinander.


Mit neuen Perspektiven zurück

„Ich bin dann mal weg“ – das hieß für die 14 Kolleginnen und Kollegen: für eine Woche Abstand gewinnen, den Kopf freibekommen und den eigenen Blick weiten. Das Wandern in einer anderen Umgebung, der Austausch in der Gruppe, persönliche Herausforderungen, Gebet und Stille haben dazu beigetragen, Abstand zum Gewohnten zu gewinnen, neue Perspektiven zu entdecken und Kraft zu tanken.

Am Ende kehrten alle gesund und frohen Mutes nach Hause zurück – vielleicht mit etwas weniger Ballast, mit neuen Gedanken und mit der einen oder anderen Erkenntnis, die im Alltag weiterwirken kann.

Eine solche Auszeit lässt sich vielleicht nicht jedes Jahr für eine ganze Woche verwirklichen. Aber das Prinzip funktioniert auch im Kleinen: einmal für ein paar Stunden oder einen Tag aus den gewohnten Abläufen heraustreten, bewusst unterwegs sein, innehalten und sich fragen, was gerade wirklich wichtig ist.

 

Also: Nur Mut. Einfach mal mitgehen!



 
 
 

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