Der ökumenische Andachtsraum der VII. BPA
Zum Geleit
Sulzbach-Rosenberg ist die erste Einrichtung der Bayerischen Bereitschaftspolizei, die einen ökumenischen Andachtsraum erhält. Dafür ist die katholische und evangelische Polizeiseelsorge sehr dankbar. Durch das umsichtige Bemühen des Landbauamtes Amberg und des Präsidiums der Bayerischen Bereitschaftspolizei konnte ein würdiger Sakralraum geschaffen wer
den, der durch die Glasbilder und durch den lebensgroßen Bronze-Christus von Roland Friederichsen seine Krönung erfuhr: Die Themen der Glasfenster wurden von dem früheren LPD Heinrich Wächter vorgeschlagen und vom Künstler mit großer Hingabe aufgegriffen, wie Sie aus diesem Faltblatt ersehen können. Wir freuen uns über dieses Geschenk und danken allen, die durch ihr Entgegenkommen mitgeholfen haben. Wir werden uns bemühen, diesen Raum durch Gottesdienste, Meditation und auch in ehrfürchtiger Stille mit Leben zu erfüllen.
Erwin Wild, katholischer Polizeipfarrer; Detlev Hapke, evangelischer Polizeipfarrer
Die Fenster
Roland Friederichsen hat im Jahre 1991 die vier großen und die vier kleinen Farbfenster in Antikglas/Bleiverglasung auf der Nordseite des Andachtsraumes geschaffen. Das
einfallende Licht wird durch die Fenster gedämpft, und dadurch eine Stimmung geschaffen, die zu Andacht und Meditation einlädt. Die Thematik der Bilder - »Gerechtigkeit
und Versöhnung« - soll den Betrachter anregen, über Sinn und Bedeutung des polizeilichen Dienstes nachzudenken. Die Bilder der großen Fenster (1,70 m x 1,50 m) sind so gestaltet, daß jeweils eine alttestamentliche Szene links einer neutestamentlichen Szene rechts entspricht. Dieses in der christlichen Kunst gerne verwendete Schema hat seinen Ursprung in der Korrespondenz beider Testamente.
Das bei den ersten Fenstern dominierende Blau, das allmählich den gelben und roten Farbtönen weichen muß, ist ein Hinweis auf den Ablauf der Heilsgeschichte, in der die Nacht der Sünde vom Licht der Gnade abgelöst wird. In diesem Bedeutungszusammenhang stehen auch die vier kleinen Fenster mit den Symbolen der vier Evangelisten in der Reihenfolge des Neuen Testaments (Mt, Mk, Lk, Joh.).
[Quelle: Infoflyer zum Andachtsraum, VII. BPA]
Schöpfung und Vollendung (viertes Fenster)
Der Farbkosmos links zeigt, wie die Schöpfung am Anfang der Zeiten durch den Geist Gottes (Gen 1) schon in ihrer Fülle angelegt ist. Diese Schöpfung wird von Gott selbst für gut
befunden. Am Pfingstfest auf der Darstellung rechts ereignet sich durch den Gottesgeist die neue Schöpfung: »Siehe, ich mache alles neu« (Offb. 21,5). Sinnbild dafür ist die Kirche, die durch Maria im Kreise der Apostel verkörpert wird. Der gelbrote Lichtstrahl ist ein Zeichen der Gnade Gottes. Grundlage dieser Erneuerung sind Tod und Auferste
hung Jesu Christi, worauf der Gekreuzigte hinter dem Altar (eine lebensgroße Bronzefigur, ebenfalls von Friederichsen) hinweist. Mit diesem Ausblick erhält der polizeiliche Dienst eine religiöse Sinngebung. Denn der Kampf gegen das Böse, Rettung und Vollendung des menschlichen Lebens gelingen letztlich nur mit dem Beistand Gottes.
Dr. Alfred Kaiser
Rettung und Hilfe (zweites Fenster)
Die Arche Noach ist ein altes Zeichen für die Rettung von Mensch und Tier. Regenbogen und Taube, die ebenfalls in der Sintflutgeschichte vorkommen, sind Symbole des Friedens (Gen. 9,1 - 17). Das neutestamentliche Bild des zweiten Fensters stellt das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter dar. Räuber haben einen Unbekannten ausgeraubt, und halbtot auf der Straße liegengelassen. Von einem Samariter erfährt er selbstlose Hilfe (Luk. 10,25). Umweltschutz, Hilfe und Rettung menschlichen Lebens, gerade auf der Straße, sind ein wichtiger Bestandteil des polizeilichen Dienstes.
Dr. Alfred Kaiser
Gericht und Verhör (drittes Fenster)
Gericht und Verhör. Links wird das salomonische Urteil dargestellt. Zwei Frauen streiten um einen Knaben (1 Kön. 3,16 - 28). König Salomon gilt als Vorbild eines gerechten und weisen Richters, weshalb ihm die Waage, das Symbol der Gerechtigkeit, als Attribut zugeordnet wird. Bei der neutestamentlichen Szene wird Jesus vor dem Hohenpriester Kajaphas verhört. Der festgenommene Gottessohn wird mißhandelt und widerrechtlich dem römischen Gericht ausgeliefert (Math. 26, 57ff). Bundeslade, Gesetzesrolle und der siebenarmige Leuchter symbolisieren das Judentum. Ein gerechtes Urteil, wie es durch Salomon gefällt wird, kann meist nur durch die verantwortungsvolle Vorarbeit der Polizei gefunden werden. Die Frage Jesu: »Warum schlägst du mich?« weist auf das Recht des Angeklagten auf ein faires Verhör hin.
Dr. Alfred Kaiser
Der Kampf gegen das Böse (erstes Fenster)
Dieses Thema wird zunächst durch die Vertreibung der ersten Menschen aus dem Paradies nach dem Sündenfall dargestellt (Genesis 3,14). Der Engel mit dem Flammenschwert bewacht den Zugang zur Paradiesespforte. Adam schaut wehmütig zurück, während Eva auf dem Boden liegend sich klagend das Haar rauft und sich am Bein Adams festklammert. Auch das Leben Christi ist vom Kampf gegen das Böse geprägt. Die Tempelreinigung ist ein Beispiel von vielen (Joh. 2.13). Jesus geht gegen den Mißbrauch des Tempels vor, indem er die Tische der Geldwechsler umstößt. Diese Bilder sind ein Hinweis darauf, daß der Kampf gegen das Verbrechen und die Aufrechterhaltung der Ordnung und der guten Sitten zu den wichtigsten
Aufgaben der Polizei zählt.
Dr. Alfred Kaiser
